Oma, die Schreibtante

Januar 2019

Die Autorin Anja Müller, auch bekannt als Oma, die Schreibtante, hat viele Geschichten geschrieben. Obwohl sie kein Buch veröffentlicht hat, kann jeder ihre Geschichten lesen. Warum das so ist und einiges mehr, erfahrt Ihr im Interview.

Hallo Frau Müller,

 

oder sollte ich lieber Oma, die Schreibtante sagen? So bezeichnen Sie sich ja auf Ihrer Internetseite, auf der ich im Übrigen ein wenig herumgeschnüffelt habe. Dort sind ja so viele schöne Geschichten. Was hat Sie bewegt, diese auf einer Webseite zu veröffentlichen?

Lieber Bumo,


zunächst einmal vielen Dank für die Einladung zum Interview. Sie freut mich besonders, da ich ja noch eine ziemlich unbekannte Autorin bin.


Der Name "Oma, die Schreibtante" ist folgendermaßen entstanden: als sich das erste Enkelkind angekündigt hatte, überlegte ich mir, was denn ein passendes Ankunftsgeschenk für das kleine Wesen sei. Da ich mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht habe, lag es nahe, dem Kind ein mitwachsendes Geschichtenbuch zu schenken. Nun bin ich also Oma und schreibe. Was liegt da näher, als sich Oma, die Schreibtante zu nennen?

Wow, das ist eine tolle Idee. Konnten Sie ihren Enkeln inzwischen daraus vorlesen? Und wenn ja, wie fanden sie es?

Die "Große", sie ist mittlerweile knapp 3 Jahre alt, hat einen Ordner mit den gesammelten Geschichten bekommen und ihre Eltern lesen ihr regelmäßig Geschichten daraus vor.
Manchmal sitzt sie auch für sich selbst da, betrachtet die Bilder und erfindet ihre ganz eigenen Geschichten.


Es ist eine echte Freude für mich zu sehen, wie die Fantasie des Kindes angeregt wird. Davon hat sie nämlich ganz ganz viel.

 

Die "Kleine", bald ein Jahr alt, nimmt an den Vorlesestunden natürlich auch teil. Ich bin schon sehr gespannt, wie sie sich in späteren Zeiten einbringen wird

Oh ja, ich mag die Fantasie der Kinder auch sehr gern.

 

Haben Sie selbst schon überlegt, ein richtiges Buch daraus zu machen?

Na ja, die Idee war ja ursprünglich exklusiv für die Enkelinnen (ich nenne sie gerne auch Erbenerbinnen) zu schreiben. Dann lasen immer mehr Leute die Geschichten und ich entschloss mich, die Texte für alle Interessierten kostenlos auf meinem Blog zur Verfügung zu stellen.

Das hat für mich den großen Vorteil, frei arbeiten zu können, keine Abgabezeiten einhalten zu müssen und genau die Geschichten zu schreiben, die mir im Kopf herum gehen.


Natürlich verdiene ich kein Geld damit. Mit einem "richtigen" Buch könnte ich vielleicht ein wenig für die Urlaubskasse erwirtschaften.
Mir ist Geld jedoch gar nicht so wichtig. Wenn mir Kinder bei Lesungen zuhören, bei manchen Passagen wild kichern und lachen oder lauthals rufen: "Noch eine Geschichte!", dann ist das ein "Lohn", der in Geld niemals aufgewogen werden kann.


Vielleicht ist dennoch eines Tages die Zeit reif, ein Buch zu machen. Man soll ja niemals nie sagen. Im Moment ist es jedoch gut so wie es ist.

Die Freiheiten liebe ich auch. Ich will immer nur das machen, was ich will. Na ja, manchmal bekomme ich auch Ärger dafür. Ich verstehe nicht, warum.


Verstehe ich das richtig, dass Sie auch vor anderen Kindern lesen?

Lieber Bumo, manchmal ist es auch schwer zu erkennen, ob das was man gerne machen will, auch sinnvoll und gut ist. Dann passiert es schon auch mal, dass Erwachsene um die Ecke kommen und Ärger machen. Ich verrate Dir jetzt mal ein Geheimnis: ganz viele Erwachsene würden auch gerne nur das tun, was sie gerade wollen. Und weil das im Erwachsenenleben ganz oft nicht klappt, sind sie sauer.


Nun aber zu Deiner Frage, bevor ich zufiel aus dem Nähkästchen plaudere und selber Ärger mit den Erwachsenen bekomme: ja, ich lese ab und zu Kindern vor. Ich arbeite in einem ganz tollen Betrieb und da machen wir mindestens zweimal im Jahr ein großes Fest für unsere Kunden. Damit es den Kindern nicht langweilig wird, bieten wir verschiedene Aktivitäten an, unter anderem eben die Vorlese-Ecke.

Danke für die lieben Worte und dass Sie mich verstehen.


In was für einen Betrieb arbeiten Sie denn und als was?

Vor vielen Jahren habe ich eine Ausbildung zur Floristin gemacht und arbeite derzeit in einem kleinen und feinen Gartencenter.

 

Davor habe ich einige Jahre als Bestatterin gearbeitet, daher tauchen auf meinem Blog auch immer wieder Geschichten auf, die sich mit dem Sterben, mit Tod und Trauer auseinandersetzen.
 

In beiden Berufen habe ich gelernt, genau zuzuhören. Das hilft beim Geschichtenschreiben ungemein.Vor allen, wenn man das hört, was gar nicht gesagt wird. ;-)

Überhaupt haben Sie eine große Themenvielfalt auf Ihrem Blog.

 

Sie greifen ja nicht nur schwierige Themen auf, wie den Tod, sondern zum Beispiel auch Tierquälerei. "Die Geschichte vom Schwein, das seinen Schinken lieber selbst behalten wollte" ist mir dabei besonders aufgefallen und hat mich berührt.


Woher nehmen Sie die vielen Ideen?

Die Ideen sind plötzlich in meinem Kopf, manchmal nur als Gedankenfetzen, manchmal jedoch auch sehr konkret. Bei der Geschichte mit dem Schwein war es so, dass ich mir überlegt habe, wie sich wohl die ganzen Tiere fühlen, wenn sie so aufwachsen und ob es richtig ist, ihnen so viel Leid anzutun. Es sind ja durchaus intelligente Lebewesen, nur haben sie kaum jemand, der für sie spricht.


Ich glaube, das Kinder intuitiv verstehen und nachfühlen können, wenn Unrecht geschieht. Und ich finde, Kinder haben ein Recht darauf, über die Dinge, die nicht so gut sind, nachdenken zu können. Klug genug sind sie allemal.


Manche Eltern finden das nicht gut, weil sie sich dann den Fragen ihrer Kinder stellen müssen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend.


Aber wenn wir Erwachsenen den Kindern nicht die Wahrheit sagen, dürfen die uns dafür auch mächtig ausschimpfen. Und wenn wir Erwachsenen wollen, dass Kinder später einmal eigene und reife Entscheidungen treffen, müssen wir sie stark machen.

Wow, mir fehlen gerade die Worte und das ist bei mir selten. Ich glaube Andrea genießt es gerade.

 

Ich bin auf jedenfall Ihrer Meinung. Kinder sind sooo wichtig und toll und sollten die Wahrheiten auch über die Fehler der Erwachsenen kennen.

 

Wie haben Sie Ihre eigene Kindheit empfunden und haben Sie sich da auch schon so schöne Geschichten ausgedacht?

Du hast vollkommen recht, Kinder sind das Beste was uns Erwachsenen passieren kann und wir sollten viel öfter die Welt aus Kinderaugen betrachten. Dann wären manche Sachen auch viel einfacher zu lösen.


Meine eigene Kindheit war ganz ok. Ich bin in den 60/70er Jahren aufgewachsen und wir Kinder hatten damals im Vergleich zu heute einige Freiheiten. Wir konnten stundenlang auf der Strasse spielen, ohne Angst, es könnte uns was passieren. Nur selten störte uns ein Auto in unserem Spiel.
Oder wir standen bis zum Bauch im Bach und bauten Staudämme, obwohl keiner von uns schwimmen konnte. Wir vertrauten einfach darauf, dass alles gut geht.


Zum Leidwesen meiner Eltern habe ich mir schon damals Geschichten ausgedacht. Einmal habe ich mit einem kleinen Werkzeug von Vaters Werkbank im Kartoffelkeller "Mäusezähne" in die Kartoffeln gemacht und den Eltern erzählt wir hätten Mäuse im Keller.
Mein Vater verbrachte daraufhin seine karge Freizeit im Keller auf der Jagd nach den kleinen Tieren.
Natürlich flog der Schwindel auf und ich bekam eine Strafe für meine erfundene Geschichte. Es fiel meinen Eltern schwer, mit der Fantasie ihrer Tochter zurechtzukommen.
Allerdings, und darauf bin ich schon ein wenig stolz, erzählt man sich in der Familie noch heute diese Episode.

Ihr Geschichte ist wirklich lustig. Kann ich mir vormerken, um Andrea zu ärgern ... ach nee, sie liest ja mit.

 

Kommen wir nun zur letzten Frage: Was möchten Sie unseren jungen Autoren mit auf den Weg geben, die gerne schreiben und ein Buch veröffentlichen wollen?

Lieber Bumo, ich glaube Du hast sicher ganz eigene Idee, um Andrea auf Trab zu halten. Da brauchst Du meine ollen Kamellen nicht noch mal aufwärmen.


Im Grunde ist das auch schon ein Teil der Antwort auf Deine Frage: wer Lust hat zu schreiben, wird es tun. Die jungen Autoren können ganz frei alles niederschreiben, was ihnen so durch den Kopf geht. Manchmal wird ein Text dann richtig gut, manchmal wird er eher so lala.
Aber während des Schreibens passiert etwas ganz wunderbares: man merkt, dass man die Perspektive wechseln kann, man merkt, dass man auch mal der "Böse" sein darf und man merkt, wie vielfältig unsere Sprache ist.
Dann entwickelt sich auch langsam ein ganz persönlicher Schreibstil. Der wird natürlich nicht allen Lesern gefallen, aber das muss er auch nicht. Kritiker wird es immer geben, sie sind wichtig, um sich weiterzuentwickeln, auch wenn man lieber Lob hört.


Man braucht beim Schreiben viel Geduld, auch mit sich selbst. Aber es macht einfach so einen großen Spass, dass man es nie mehr ganz sein lassen kann.
Für mich persönlich ist mein Blog die passende Veröffentlichungsplattform. Junge Autoren können vielleicht auch für die Schülerzeitung schreiben. Wichtig ist auch: hört auf Euer Herz! Wählt Themen, die Euch beschäftigen und zu denen ihr etwas zu sagen habt.


Und zu guter Letzt: bleibt Euch selbst treu.


Nun wünsche ich allen jungen Autoren viel Spass und Erfolg beim Schreiben und sage herzlichen Dank an Dich lieber Bumo. Das Interview hat mir großen Spass gemacht, Du warst ein sehr sympathischer Interviewer.
Liebe Grüße, Eure Oma, die Schreibtante.

Vielen Dank, Oma, die Schreibtante!


Mir hat es auch richtig viel Spaß gemacht.


Lieben Gruß
Ihr Bumo

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