Eulenspiegel Verlagsgruppe

Mai 2019

Ein Verlag, ein Verlag. Ich möchte unbedingt ein Interview mit einem Verlag.

Also habe ich einige angeschrieben und eine liebe Antwort von Karoline Grunske von der Eulenspiegel Verlagsgruppe erhalten. Sie macht mit.

 

Und was soll ich sagen? Es war wieder einmal seeeehr interessant und ich habe ganz viel Neues dazugelernt.

Liebe Frau Grunske,

 

vielen Dank, dass Sie sich meinen Fragen stellen wollen. Sie arbeiten ja bereits seit 8 Jahren für die Eulenspiegel Verlagsgruppe.

 

Was genau ist dort Ihre Aufgabe?

Liebes Bumo,

 

das Gute ist, dass die Aufgaben sehr vielfältig sind. Meine Kernaufgaben hier sind aber die Gestaltung von Büchern, das heißt der Buchcover (Umschläge) und der Buchinnenteile, sowie die Gestaltung von Werbemitteln für den Verlag (das sind zum Beispiel Broschüren oder Plakate).

 

Einen besonderen Stellenwert hat immer die Gestaltung des Buchcovers. Das Cover soll sofort zeigen, was für eine Art von Buch es ist, für welche Leser das Buch gedacht ist und (ganz wichtig!) es soll auf den Inhalt des Buches neugierig machen. Dazu muss ich dann eine passende Bildidee für das Cover finden. Aber bei Kinderbüchern bedeutet das dann oft, dass ich zusammen mit der Kinderbuchlektorin, eine geeignete Illustratorin oder einen Illustrator aussuche.

 

Die Illustratorin oder der Illustrator bekommt von mir ein Briefing. Das bedeutet, dass ich mit ihr oder ihm unter anderem bespreche, was für ein Buch sich der Verlag vorstellt, welche Wirkung die Illustration haben sollten und worauf wir bei diesem Buch besonderen Wert legen und natürlich auch, wie viel Zeit er oder sie für die Anfertigung der Illustrationen hat. Mit der Illustratorin/dem Illustrator zusammen entwickeln wir dann das Covermotiv. Das Buchcover wird fast immer vor dem Innenteil des Buches gestaltet, damit der Verlag das Buch schon mal im Buchhandel vorstellen und ankündigen kann.

 

Die Texte für die Innenteile der Bücher bekomme ich von unseren Lektoren. Bei Bildern ist das verschieden. Manchmal bekomme ich Bilder, zum Beispiel Fotos oder Cartoons, ebenfalls über das Lektorat. Manchmal suche ich aber auch selbst Bilder aus beziehungsweise kreiere Bilder. Das heißt, Bildmaterial wird, wenn nötig, bearbeitet, zusammengesetzt und verändert. Wenn es ein Buch mit neuen Illustrationen ist, bespricht der/die IllustratorIn mit mir seine/ihre Ideen und Vorstellungen. Meistens bekomme ich Skizzen zur Abstimmung. Zeichne ich selber für ein Buch, skizziere ich ebenfalls und bespreche die Skizzen mit der Lektorin.

 

Für jedes Buch wird ein sogenanntes Layout entwickelt. Das Layout richtet sich immer danach, für wen das Buch sein soll. Also ob es zum Beispiel ein Kinderbuch ist und wenn ja, wie alt die Kinder für dieses Buch sein sollten. Im Layout wird dann festgeschrieben, welche Schriften in welcher Größe verwendet werden, wo sich im Buch Text befindet und wo Bilder sind und wie das Zusammenspiel von Bild und Text funktioniert.

 

Dabei arbeite ich auch mit meinen Kollegen zusammen. So gibt es immer Korrekturphasen. Erst, wenn wir denken, dass alles stimmt, wird ein Buch auch wirklich gedruckt.

 

Ein Großteil meiner Arbeit findet am Computer statt, wo ich mithilfe von Grafiksoftware Bilder bearbeite und die Layout-Daten erstelle, aus denen später die Druckdaten erzeugt werden und die dann an eine Druckerei geschickt werden.

Das hört sich alles sehr viel an.

 

Ich versuche mal das ein wenig zusammenzufassen, um zu sehen, ob ich es richtig verstanden habe:

 

Sie erstellen Werbemittel für den Verlag, gestalten Cover und stellen Bücher zusammen. Dabei stimmen Sie sich immer wieder mit den Illustratoren und den Lektoren. Wobei es ziemlich viel hin und her geht, bis alles stimmt. Manchmal zeichnen Sie auch selbst Bilder für die Cover oder Innenteile. Habe ich das so grob richtig verstanden?

 

Ich vermisse bei dem allen ein wenig den Autor. Haben Sie mit diesem keinen Kontakt?

Ja, stimmt fast. Ich stelle Bücher nicht zusammen, sondern bringe die Manuskripte in Buchform, gestalte sie, kümmere mich um die Bebilderung.

 

Die Autoren lerne ich zwar gelegentlich kennen, aber die Zusammenarbeit mit den Autoren und die Arbeit am Text ist Aufgabe des Lektors. Ich bekomme vom Lektorat für den Buchsatz einen fertigen und vom Autor abgesegneten Text.

 

Insbesondere viele unserer Kinderbücher sind Kinderbuchklassiker. Das heißt, die Texte sind vor längerer Zeit schon einmal erschienen. Manchmal sind die Autoren schon nicht mehr am Leben. Die Texte oder auch Gedichte und Lieder finden wir aber so toll, dass wir sie als Bücher in neuer Aufmachung herausbringen.

Können Sie uns ein Beispiel nennen, von einem "alten" Buch, das Sie illustriert haben? Vielleicht noch mit einem Bild vom Cover?

Sehr gern. Zum Beispiel "Summ, summ, summ, Bienchen summ herum", ein Pappbuch für Kinder ab 2 Jahren. Das Buch ist ganz neu, aber das Lied und die Liedverse sind alt.

 

Das Lied ist zusammen mit vielen anderen Liedern schon in vielen Liederbüchern erschienen. Wir haben in unserem Buch aber jede Liedstrophe einzeln illustriert und die Bienen sozusagen durch ein Jahr, von einem Frühling bis zum nächsten begleitet, beim Ausfliegen, Honigsammeln, Wabenbauen und Überwintern. Denn auch wenn es ein ganz traditionelles Lied ist, Bienen als Thema sind sehr aktuell.

Vielen Dank!

 

Kommen wir auf die Eulenspiegel Verlagsgruppe zu sprechen: Kann jeder Autor Ihnen sein Manuskript zusenden? Oder gibt es bestimmte Bedingungen?

Nein, es gibt keine Bedingungen. Jedes Manuskript kann eingereicht werden. Auf diesem Wege kommen viele Manuskripte zu uns. Unsere Lektoren lesen die Manuskripte. Wenn eine Veröffentlichung im Verlag gut erscheint, stellen sie das Manuskript dem Verleger und der Marketing-/Vertriebsabteilung vor.

 

Es ist wichtig, dass ein Buchinhalt in unser Verlagsprogramm passt, damit wir das fertige Buch dann später auch in ausreichender Stückzahl verkaufen können. Letztlich sind ja nur dann alle, auch der Autor, zufrieden.

Super, dass jeder sein Manuskript einreichen kann. Wenn ein Kind seine Geschichte bei Ihrem Verlag einsenden möchte, auf was sollte es dabei achten? Beziehungsweise, was sollte es dem Verlag zuschicken?

Ganz wichtig ist, dass Kinder, die einen eigenen Text an uns schicken möchten, das vorher mit ihren Eltern besprechen.

 

In der Regel bekommen wir aber keine Manuskripte von Kindern. Es ist einfach so, dass erfahrene Autoren hier oft "die Nase vorn haben". Das ist kein Wunder, viele Autoren haben eine langjährige Ausbildung im Bereich des Schreibens hinter sich. Und Kinder sind als Leser ja durchaus wählerisch und sehr qualitätsbewusst.

 

Am besten ist es, den Text per E-Mail zu senden, also ein Textdokument im E-Mailanhang. Die Kontaktadressen findet man auf unserer Website eulenspiegel.com.

 

Und dann noch etwas: niemand sollte traurig sein, wenn der eingesendete Text nicht zur Veröffentlichung ausgewählt wird. Das bedeutet überhaupt nicht, dass der Text nicht gut ist. Hinzu kommt, dass wir ein kleines Verlagshaus sind, mit einem noch kleineren Kinderbuchprogramm - also stehen die Chancen für eine Veröffentlichung nicht sooo gut.

Welche Ausbildung sollten die Kinder anstreben, wenn sie später richtig gute Schriftsteller werden wollen? Was würden Sie da empfehlen?

Ich glaube, da gibt es ganz viele Wege. Man kann zum Beispiel Germanistik studieren oder auch Journalismus/Publizistik. Eben alle Richtungen, die im Besonderen den Umgang mit unserer Sprache, aber auch zum Beispiel Recherchetechniken lehren. Es gibt aber viel mehr Möglichkeiten, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht.

 

Die Autoren unseres Verlags sind, um nur einige Beispiele zu nennen, auch Lehrer, Moderatoren, Theaterwissenschaftler, Kabarettisten oder Schauspieler. Es kommt ja auch darauf an, ob man beispielsweise Fantasy-Geschichten oder lieber Sachbücher rund um die Geschichte der Luftfahrt schreiben möchte.

 

Wenn ich Autor werden wollte, würde ich schauen, wie das andere junge Autoren geschafft haben und dann überlegen, welcher Weg für mich passen könnte.

Das sind ja wirklich viele Möglichkeiten.

 

Es gibt ja auch den Weg des Selfpublishings. Wie finden Sie es, dass Autoren ihre Bücher selbst verlegen und veröffentlichen können?

Das finde ich gut. Manchmal findet ein Autor einfach keinen Verlag, der bereit ist, das finanzielle Risiko zu tragen. Für einen Verlag lohnt sich eine Veröffentlichung ja oft erst ab einer bestimmten Auflagenhöhe. Oder ein Thema passt eben nicht ins Verlagsprogramm. Dann ist es doch eine Möglichkeit für einen Autor, sein Werk trotzdem zu veröffentlichen.

 

Und außerdem: wer sagt denn, dass Verlage bei ihren Entscheidungen, ob ein Buch im eigenen Haus veröffentlicht wird, keine Fehler machen? Joanne K. Rowlings "Harry Potter"-Manuskript ist beispielsweise zunächst wohl auch von einigen englischen Verlagshäusern abgelehnt worden. Zum Glück hat Frau Rowling damals dann ja noch einen Verlag gefunden :).

Ja, da haben wir wohl alle Glück gehabt. Sonst hätten wir die zauberhaften Bände von Harry Potter niemals lesen können.

 

Ich komme auch schon zur letzten Frage:

Was ist Ihr ultimativer Tipp, den Sie allen Kindern geben, die ein eigenes Buch schreiben und veröffentlichen möchten?

Ach, vielleicht nur dies: Schreiben! Der Fantasie freien Lauf lassen, das eigene Thema finden und einkreisen und damit anfangen, den Text (das Buch) zu verfassen.

 

Vor allem sollte sich niemand durch irgendwelche Bedenken (z.B. darüber, ob und wie das Buch veröffentlicht wird) die Freude am Schreiben nehmen lassen. Deshalb würde ich mir zunächst auch nicht allzu viele Gedanken über die Veröffentlichung machen. Das ist dann erst der nächste Schritt.

 

Liebes Bumo, danke für Dein geduldiges Interesse.

 

Herzliche Grüße

Karoline Grunske

Vielen lieben Dank, Frau Grunske!

 

Das Interview mit Ihnen hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Lieben Gruß

Ihr Bumo

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Wir sind Bumo, das Buchmonster und Andrea, die Schriftstellerin.

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